· Aktualisiert: April 2026 Unabhangige Analyse

Darts Three-Dart-Average erklärt: Berechnung & Bedeutung

Three-Dart-Average im Darts — wie er berechnet wird, was ein guter Wert ist und wo die Kennzahl täuscht.

Inhaltsverzeichnis

Darts Three-Dart-Average – Berechnung und Benchmarks

Frag einen Darts-Fan nach der wichtigsten Statistik, und die Antwort kommt sofort: der Average. Der Three-Dart-Average ist die Zahl, die bei jeder TV-Übertragung eingeblendet wird, die jede Diskussion über Spielerstärke dominiert und die als erste Metrik in jeder Wett-Analyse auftaucht. Und genau das ist das Problem — denn der 3DA erzählt nicht die ganze Geschichte.

Den Three-Dart-Average verstehen heißt, seine Stärken und seine blinden Flecken zu kennen. Er ist das Fundament jeder Darts-Analyse, aber kein Allheilmittel. Wer auf Basis des 3DA allein wettet, macht systematische Fehler. Wer seine Grenzen kennt und mit ergänzenden Metriken arbeitet, hat einen Vorsprung. In diesem Artikel erklären wir die Berechnung, definieren die Benchmarks und zeigen, warum der Average allein nicht reicht — und was stattdessen hilft.

Berechnung: So wird der 3DA ermittelt

Der Three-Dart-Average berechnet sich aus der Gesamtpunktzahl eines Spielers, geteilt durch die Anzahl seiner Darts, multipliziert mit drei. Das Ergebnis zeigt, wie viele Punkte ein Spieler im Schnitt pro Aufnahme (drei Darts) erzielt.

Ein Beispiel: Ein Spieler wirft in einem Leg insgesamt 15 Darts und checkt 501 Punkte aus. Sein Average für dieses Leg beträgt 501 geteilt durch 15, mal 3 = 100,20. In einem Match wird der Average über alle Legs kumuliert — also die gesamten Punkte aller Legs geteilt durch die gesamten Darts aller Legs, mal drei.

Klingt simpel, hat aber einen Haken: Der 3DA gewichtet alle Darts gleich. Ein Dart in die Triple 20 (60 Punkte) zählt genauso wie ein Dart ins Doppel 16 (32 Punkte), obwohl der Checkout-Dart eine völlig andere Aufgabe erfüllt als der Scoring-Dart. Ein Spieler, der seine Legs in 12 Darts abschließt, hat einen höheren Average als einer, der 15 Darts braucht — auch wenn der zweite Spieler in seinen Scoring-Darts exakt gleich gut war und nur das Doppelfeld öfter verpasst hat.

Diese Verzerrung hat praktische Konsequenzen. Spieler mit hoher Checkout-Effizienz brauchen weniger Darts pro Leg, was ihren Average nach oben drückt. Spieler mit schwacher Checkout-Quote brauchen mehr Darts — oft niedrigwertige Darts auf oder neben Doppelfelder —, was ihren Average senkt. Der 3DA misst also nicht nur die Scoring-Fähigkeit, sondern auch indirekt die Checkout-Qualität. Das macht ihn einerseits zu einer umfassenden Metrik, verschleiert aber andererseits die spezifischen Stärken und Schwächen eines Spielers.

Eine weitere Eigenschaft des 3DA: Er ist von der Matchlänge abhängig. In einem kurzen Best-of-7-Legs-Match kann ein Spieler durch drei starke Legs einen Average von 105 erzielen, der über 30 Legs kaum haltbar wäre. Deshalb sind ProTour-Averages (kurze Matches) im Schnitt höher als WM-Averages (lange Matches) — ein Punkt, den Wetter bei Vergleichen zwischen verschiedenen Turnierformaten berücksichtigen müssen.

Für Wetter ist auch die Berechnung des Match-Averages aus zwei Spielern relevant. In einem Match wird der Average für jeden Spieler separat berechnet. Der Gesamtaverage des Matches (der manchmal in Statistiken auftaucht) ist der Durchschnitt beider Spieler — aber für Wetten ist er nutzlos. Was zählt, ist die Differenz: Ein Spieler mit 101 gegen einen mit 93 hat eine Average-Differenz von 8 Punkten. Kempf hat gezeigt, dass die Average-Differenz besser mit dem Matchausgang korreliert als der absolute Average eines einzelnen Spielers.

Benchmarks: Was ist Elite, was ist Durchschnitt?

Die Einordnung eines Averages hängt vom Kontext ab — Turnier, Format, Gegner. Trotzdem gibt es grobe Orientierungswerte, die für die Wettanalyse nützlich sind.

Unter 85: Schwach. Typisch für Qualifikanten in frühen WM-Runden oder Spieler, die einen schlechten Tag erwischt haben. In diesem Bereich verliert ein Spieler gegen fast jeden Tour-Profi. Ein Average unter 85 in einer Siegwette zu unterstützen, ist ein Rezept für Verluste.

85 bis 92: Unterdurchschnittlich. Ein Spieler in diesem Bereich kann Legs gewinnen, braucht aber Hilfe vom Gegner — verpasste Doppel, Schwächephasen. Für Handicap-Wetten ist ein Spieler mit einem 88er-Average gegen einen 98er-Average ein klarer Underdog, der über die Distanz drei bis vier Legs verlieren wird.

93 bis 97: Tour-Durchschnitt. Die meisten PDC-Profis bewegen sich in diesem Bereich. Matches zwischen zwei 95er-Average-Spielern sind eng und kaum prognostizierbar. Hier entscheiden Checkout-Effizienz und Tagesform — nicht der Average.

98 bis 103: Stark bis Elite. In diesem Bereich befinden sich die Top-20-Spieler der Welt. Michael van Gerwen hält den Rekord des höchsten TV-Match-Averages mit 123,40 aus der Premier League 2016, aber selbst die besten Spieler halten über ein ganzes Turnier selten mehr als 100 bis 103. Wer diesen Bereich konsistent erreicht, gehört zur absoluten Spitze.

Über 103: Ausnahmeleistung. Luke Littler spielte bei der WM 2025/26 einen Turnier-Average von 103,69 — über mehrere Matches hinweg ein Wert, der historisch selten ist. Averages über 105 sind einzelne Matchleistungen, keine dauerhaften Zustände. Wer auf Basis eines einmaligen 108er-Averages auf den nächsten Favoritensieg wettet, überschätzt die Konstanz.

Die Grenzen des 3DA: Warum er allein nicht reicht

Der 3DA ist die populärste Darts-Metrik — aber nicht die aussagekräftigste. Und genau hier wird es für Wetter relevant.

Das grundlegendste Problem: Der 3DA überschätzt die Leistung. PDC-Statistiker Christopher Kempf hat das Konzept des REAL Average (Remaining-score Estimate of Average Leg-lengths) entwickelt, das diesen Effekt korrigiert. Die Erkenntnis ist verblüffend: Nur etwa 2 Prozent aller Players-Championship-Matches weisen einen REAL Average von 100 oder mehr auf — während der konventionelle 3DA diesen Wert deutlich häufiger suggeriert. Der Grund: Der 3DA berücksichtigt nicht, wie viele Punkte tatsächlich übrig waren, als ein Spieler auf das Doppel ging. Verpasste Checkouts blähen den Average auf, weil die zusätzlichen Darts auf und neben dem Doppelfeld in die Berechnung einfließen.

Trotz dieser Einschränkung bleibt die Korrelation zwischen 3DA und Matchausgängen hoch: r = 0,85 über vier Jahre Darts-Orakel-Daten. Das bedeutet: Der Average ist ein guter, aber kein perfekter Prädiktor. Und die 15 Prozent Varianz, die er nicht erklärt, können den Unterschied zwischen einer profitablen und einer verlustbringenden Wette ausmachen.

Kempf und Ötting haben mit der Ordinal Checkout Efficiency eine alternative Metrik vorgeschlagen, die rund 40 Prozent genauer Siege vorhersagt als der 3DA allein. Diese Metrik berücksichtigt die Qualität der Checkout-Versuche und gewichtet sie nach Schwierigkeit — ein 120er-Finish zählt mehr als ein 40er-Finish. Für Wetter, die den Three-Dart-Average verstehen wollen, ist diese Erkenntnis zentral: Der 3DA ist der Startpunkt, nicht das Ziel. Wer zusätzlich die Checkout-Effizienz, die 180er-Rate und den REAL Average berücksichtigt, hat ein deutlich vollständigeres Bild der Spielerstärke.

Ein praktischer Tipp: Verlasse dich nie allein auf den Match-Average. Schaue dir immer auch die Checkout-Prozent, die Legs-Gewinnquote und — wenn verfügbar — den REAL Average an. Diese Kombination gibt dir ein Bild, das der 3DA allein nicht liefern kann, und schützt dich vor den typischen Fehlschlüssen, die aus der Überinterpretation einer einzelnen Zahl entstehen.

Wer den Three-Dart-Average verstehen will, muss ihn in seinen Kontext einordnen. Er ist die meistverwendete Darts-Metrik, und das aus gutem Grund — kein anderer Wert fasst die Leistung eines Spielers in einer Zahl so kompakt zusammen. Aber eine kompakte Zusammenfassung ist per Definition eine Vereinfachung. Die besten Wetter nutzen den 3DA als Ausgangspunkt und ergänzen ihn mit den Metriken, die seine blinden Flecken ausleuchten. Wer das tut, hat einen messbaren analytischen Vorteil gegenüber der Masse.